Wer die Stellenbewertung im KMU selbst durchführen will, stellt sich meist zuerst die Kostenfrage. Das ist verständlich – aber es ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Wie viel Konfliktpotenzial steckt in der aktuellen Gehaltsstruktur ihres Unternehmens? Und haben Sie intern jemanden, der das methodisch sauber durchzieht? Wer das ehrlich beantwortet, weiß schon fast, welchen Weg er gehen sollte.
Dieser Artikel liefert keine weichen Empfehlungen, sondern klare Kriterien.

Stellenbewertung im KMU selbst durchführen: Was das konkret bedeutet
Eine Stellenbewertung bewertet nicht die Person – sie bewertet die Funktion. Was klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist in der Praxis einer der häufigsten Denkfehler. Sie analysieren systematisch, welche Anforderungen eine Stelle stellt: Fachwissen, Entscheidungsverantwortung, Kommunikationsaufwand, Führungsspanne. Das Ergebnis ist eine Eingruppierung in Wertigkeitsstufen – die Grundlage für Ihre Gehaltsbänder.
Das ist keine Einmalaktion. Es ist die Architektur Ihrer gesamten Vergütungsstruktur. Wer hier schluderig vorgeht, baut auf Sand – und merkt das oft erst, wenn der erste Equal-Pay-Konflikt auf dem Tisch liegt.
Konkret bedeutet „selbst durchführen“: Sie wählen eine anerkannte Methode (summarisch oder besser analytisch), beschreiben alle relevanten Stellen systematisch, bewerten sie nach einheitlichen Kriterien und dokumentieren das nachvollziehbar. Rechnen Sie mit 2 bis 3 Stunden pro Stelle für Analyse, Diskussion und Dokumentation – plus Zeit für Abstimmungen mit Führungskräften.
Wann KMU die Stellenbewertung selbst durchführen können
Es gibt Konstellationen, in denen der DIY-Weg (Do it yourself) funktioniert – aber nur dann, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Nicht als ungefähre Orientierung, sondern als harte Bedingungen.
DIY ist realistisch, wenn:
- Ihr Unternehmen unter 50 Mitarbeitende hat und die Stellenlandschaft überschaubar ist
- eine HR-Person oder die Geschäftsführung die Kapazität und das methodische Denkvermögen mitbringt
- Sie eine bewährte, strukturierte Methode einsetzen – keine Eigenentwicklung nach Bauchgefühl
- Ihre Gehaltsstruktur keine größeren historischen Verwerfungen hat
- Führungskräfte den Prozess aktiv mittragen
Ein Tool wie easygrading ist in diesen Fällen eine ernsthafte Option. EEs führt strukturiert durch den gesamten Bewertungsprozess, ist für Unternehmen jeder Größe – von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bis hin zu Großunternehmen – ausgelegt und deutlich zugänglicher, d. h. intuitiver bedienbar, als die etablierten Systeme von Korn Ferry oder Mercer. Der erforderliche Zeitaufwand bleibt bestehen, wird jedoch deutlich reduziert und ist dadurch besser kalkulierbar.
So gehen Sie vor: Stellenbewertung Schritt für Schritt selbst durchführen
Wer den DIY-Weg wählt, braucht einen klaren Ablauf. Kein Methodenchaos, keine improvisierten Bewertungsrunden. Diese fünf Schritte haben sich bewährt:
- Methode festlegen: summarisch (Gesamteindruck, schneller) oder analytisch (kriterienbasiert, belastbarer). Für Unternehmen unter 50 Mitarbeitenden kann die summarische Methode ausreichen. Ab etwa 50 Mitarbeitenden empfiehlt sich der Einsatz analytischer Bewertungsverfahren. Zu beachten ist, dass die EU-Entgelttransparenzrichtlinie Zweifel an der Diskriminierungsfreiheit summarischer Bewertungsverfahren äußert – dies gilt grundsätzlich auch für tarifvertragliche Regelungen.
- Stellenbeschreibungen erstellen: nicht Lebensläufe, sondern Funktionsprofile. Welche Anforderungen sind mit der Stelle verbunden – unabhängig von der Person, die sie besetzt?
- Bewertungskommission bilden: mindestens zwei Personen, die die Stellen kennen und keine persönlichen Interessen haben. Bei Betriebsrat: frühzeitig einbinden.
- Bewertung durchführen und dokumentieren: jede Eingruppierung muss nachvollziehbar begründet sein. Nicht „das haben wir so entschieden“, sondern warum.
- Gehaltsbänder ableiten und kommunizieren: die Bewertung ist Mittel zum Zweck. Das Ziel ist eine faire, erklärbare Vergütungsstruktur.
Wann der DIY-Weg zu riskant wird
Es gibt Situationen, in denen Eigenleistung schlicht zu riskant ist. Wer das ignoriert, spart am falschen Ende.
Holen Sie externe Unterstützung, wenn:
- Ihre Gehaltsstruktur historisch gewachsen ist – mit Ausreißern, Altlasten und sensiblen Einzelfällen
- erste Konflikte rund um Equal Pay bereits aufgetaucht sind
- Ergebnisse gegenüber Betriebsrat, Belegschaft oder Behörden kommuniziert werden müssen
- das methodische Know-how intern fehlt oder das HR-Team neu ist
- der Abschluss des Prozesses in wenigen Monaten erforderlich ist
- Sie die Auskunftspflicht nach ETRL bereits erfüllen müssen – das gilt ab dem ersten Mitarbeitenden
Ein erfahrener Berater bringt Methode und Projekterfahrung. Er kennt die Bewertungsdiskussionen, die typischerweise eskalieren. Er weiß, wie man Führungskräfte in einen Prozess einbindet, der zunächst auf Ablehnung stößt. Das ist kein Luxus. Das ist Risikomanagement.
Der dritte Weg: Stellenbewertung mit externer Absicherung
Viele KMU finden ihren Weg zwischen den Polen – und das ist oft das Klügste. Sie führen die Stellenbewertung mit einem strukturierten Tool selbst durch, aber die Methodik, die Systematik und kritische Einzelbewertungen werden von einem Fachberater geprüft und freigegeben.
Zwei bis fünf externe Beratungstage können einen DIY-Prozess absichern. Das Ergebnis steht dann vor dem Betriebsrat, vor dem Arbeitsrichter und vor der eigenen Belegschaft. Das ist kein Kompromiss. Das ist professionelles Vorgehen mit Ressourcenbewusstsein.
Wenn Sie wissen wollen, ob dieser Weg für Ihr Unternehmen der richtige ist: Jetzt kostenfreie Erstberatung anfragen →
Vier Fragen, bevor Sie starten
Bevor Sie sich festlegen, beantworten Sie sich diese vier Fragen ehrlich:
1. Haben wir jemanden, der das methodisch sauber durchführen kann?
Nicht wer Zeit hat, sondern wer es richtig machen kann. Eine gut gemeinte, aber methodisch fehlerhafte Stellenbewertung ist schlimmer als keine.
2. Wie viel Konfliktpotenzial steckt in unserer Gehaltsstruktur?
Wer seit Jahren nach Bauchgefühl bezahlt, wird beim Aufräumen Widerstände erleben. Externe Begleitung schützt die interne HR vor dem Schuss aus allen Richtungen.
3. Brauchen wir Rechtssicherheit?
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie gilt ab dem ersten Mitarbeitenden – nicht erst ab 100. Die Auskunftspflicht greift sofort: Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter hat das Recht zu erfahren, nach welchen Kriterien das eigene Gehalt festgelegt wurde. Berichtspflichten gegenüber Behörden beginnen ab 100 Mitarbeitenden. Wer keine nachvollziehbare Vergütungsstruktur hat, kann die Auskunftspflicht schon im kleinen Team nicht erfüllen.
4. Wie viel Zeit können wir realistisch investieren?
Ein Berater ist nicht nur Qualität, er ist auch Geschwindigkeit. Wenn das Thema schnell und sauber erledigt sein muss, ist das seinen Preis wert.
Stellenbewertung selbst durchführen: Wann es funktioniert – und wann nicht
Die Frage ist nicht, ob Sie die Stellenbewertung im KMU selbst durchführen können. Kleine Unternehmen mit klaren Strukturen, einem guten Tool und einer methodisch kompetenten Person kommen gut alleine durch. Die Frage ist, ob Sie es unter Ihren konkreten Bedingungen sollten.
Drei Handlungsempfehlungen:
- Klären Sie zuerst das Konfliktpotenzial Ihrer Gehaltsstruktur – bevor Sie die Methode wählen.
- Setzen Sie auf bewährte Tools statt auf Eigenentwicklungen. Die Methodik ist nicht verhandelbar.
- Holen Sie für kritische Einzelbewertungen und die rechtliche Absicherung externe Expertise – auch wenn Sie den Großteil selbst tragen.
Häufige Fragen zu Stellenbewertung im KMU
In der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Unternehmen starten alleine, kommen ins Stocken – und melden sich, wenn die Baustellen größer geworden sind als zu Beginn. Das muss nicht so sein.
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