Ein kritischer Blick auf Gehaltsumfragen | 11 Problemfelder

von | 06. Mai. 2024

Die Schattenseiten von Gehaltsumfragen.

Marktgehaltsumfragen, auch bekannt als „Market Salary Surveys“, sind ein weit verbreitetes Instrument in der Personalwirtschaft. Sie dienen dazu, Informationen über die aktuellen Gehaltsstrukturen auf dem Arbeitsmarkt zu sammeln und zu analysieren.

Auflistung der verschiedenen Informationen, die in einem Markt-/Gehaltsvergleich für Vergütungsdaten erhoben werden.

Obwohl sie durchaus Vorteile bieten, haben sie auch ihre Schattenseiten. In den folgenden Abschnitten werden 11 Problembereiche von Marktgehaltsumfragen kurz beleuchtet

Problem 1: Mangelnde Transparenz und Verlässlichkeit

Einer der Hauptkritikpunkte an Marktgehaltsumfragen ist die mangelnde Transparenz und Verlässlichkeit der erhobenen Daten. Oftmals sind die Teilnehmer der Umfragen nicht repräsentativ für den gesamten Markt, was zu verzerrten Ergebnissen führen kann. Zudem sind viele Unternehmen nicht bereit, ihre Gehaltsdaten offenzulegen, was die Qualität und Aussagekraft der Umfragen weiter einschränkt.

Problem 2: Veraltete Daten

Marktgehaltsumfragen werden in der Regel nur einmal im Jahr durchgeführt. Dies bedeutet, dass die erhobenen Daten schnell veralten können, insbesondere in Branchen, in denen sich die Gehälter schnell ändern. Dies kann zu einer ungenauen Einschätzung der aktuellen Gehaltsstrukturen führen und sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer zu falschen Entscheidungen führen.

Problem 3: Kosten und Zeitaufwand

Die Durchführung von Marktgehaltsumfragen ist mit erheblichen Kosten und einem hohen Zeitaufwand verbunden. Dies gilt primär für Unternehmen, die ihre eigenen Umfragen durchführen. Die Kosten für die Datenerhebung, -analyse und -interpretation können schnell in die Höhe schießen. Zudem erfordert die Durchführung einer Umfrage viel Zeit und Ressourcen, die anderswo im Unternehmen möglicherweise besser eingesetzt werden könnten.

Der Zeit- und Kostenaufwand für standardisierte Marktgehaltsdaten ist zwar deutlich geringer, aber auch hier ist zu bedenken, dass die Qualität dieser Datensätze nur von hoch qualifizierten Vergütungsspezialisten beurteilt werden kann. Derartige Spezialisten sind in der Regel nur in Großunternehmen vertreten. Mittelständische Unternehmen müssen diese Leistung zusätzlich zu den Kosten pro Gehaltsdatensatz am Markt einkaufen.

Problem 4: Fehlende Berücksichtigung individueller Faktoren

Marktgehaltsumfragen berücksichtigen in der Regel nur allgemeine Faktoren wie Branche, Unternehmensgröße und Jobposition. Individuelle Faktoren wie Berufserfahrung, Qualifikationen und Leistung werden jedoch oft nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Dies kann zu einer ungenauen Einschätzung des tatsächlichen Marktwerts eines Mitarbeiters führen.

Problem 5: Gefahr der Gehaltsinflation

Ein weiterer Nachteil von Marktgehaltsumfragen ist die Gefahr der Gehaltsinflation. Wenn Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen ausschließlich an den Ergebnissen von Marktgehaltsumfragen ausrichten, kann dies zu einem ständigen Wettlauf um die höchsten Gehälter führen. Dies kann nicht nur zu unnötigen Kosten für die Unternehmen führen, sondern auch die allgemeine Gehaltsstruktur auf dem Arbeitsmarkt verzerren.

Problem 6: Mangelnde Flexibilität

Marktgehaltsumfragen sind in der Regel sehr starr und bieten nur wenig Flexibilität. Sie berücksichtigen nicht die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten eines Unternehmens. Dies kann dazu führen, dass Unternehmen gezwungen sind, Gehaltsstrukturen zu implementieren, die nicht optimal zu ihrer Strategie, Kultur oder finanziellen Situation passen.

Problem 7: Datenschutzbedenken

Schließlich werfen Marktgehaltsumfragen auch Datenschutzbedenken auf. Die Erhebung und Verarbeitung sensibler Gehaltsdaten kann ein Risiko für den Datenschutz darstellen, insbesondere wenn die Daten nicht ordnungsgemäß anonymisiert werden. Dies kann nicht nur zu rechtlichen Problemen führen, sondern auch das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen beeinträchtigen.

Problem 8: Verzerrte Wahrnehmung von Fairness und Gerechtigkeit

Ein weiterer Nachteil von Marktgehaltsumfragen ist, dass sie eine verzerrte Wahrnehmung von Fairness und Gerechtigkeit schaffen können. Wenn Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen ausschließlich an den Ergebnissen von Marktgehaltsumfragen ausrichten, kann dies dazu führen, dass bestimmte Mitarbeitergruppen über- oder unterbewertet werden. Zum Beispiel können Mitarbeiter in gefragten Positionen oder Branchen höhere Gehälter erhalten, auch wenn ihre Leistung oder Qualifikation nicht unbedingt besser ist als die anderer Mitarbeiter. Dies kann zu Unzufriedenheit und Demotivation unter den Mitarbeitern führen und letztendlich die Produktivität und das Betriebsklima beeinträchtigen.

Problem 9: Ignorieren von internen Faktoren

Marktgehaltsumfragen konzentrieren sich in der Regel auf externe Faktoren wie Branche, Unternehmensgröße und Jobposition. Sie berücksichtigen jedoch oft nicht die internen Faktoren, die für eine gerechte und faire Vergütungspolitik von entscheidender Bedeutung sind. Dazu gehören beispielsweise die Leistung und das Engagement der Mitarbeiter, ihre Beiträge zum Unternehmenserfolg oder ihre spezifischen Fähigkeiten und Qualifikationen. Wenn diese internen Faktoren nicht angemessen berücksichtigt werden, kann dies zu einer ungerechten Verteilung der Gehälter führen und das Gefühl von Fairness und Gerechtigkeit unter den Mitarbeitern beeinträchtigen.

Problem 10: Förderung von „Short-Termism“- oder kurzfristigen Denken

Marktgehaltsumfragen können auch dazu führen, dass Unternehmen einen kurzfristigen Ansatz bei der Gehaltsfestsetzung verfolgen. Wenn die Gehälter jedes Jahr an die aktuellen Marktbedingungen angepasst werden, kann dies dazu führen, dass Unternehmen die langfristigen Auswirkungen ihrer Gehaltsentscheidungen aus den Augen verlieren. Zum Beispiel können Unternehmen gezwungen sein, hohe Gehälter zu zahlen, um qualifizierte Mitarbeiter anzuziehen, auch wenn dies nicht nachhaltig ist oder die finanziellen Ressourcen des Unternehmens übersteigt. Dies kann letztendlich zu einer ungerechten und ungleichen Vergütungspolitik führen, die nicht im besten Interesse des Unternehmens oder seiner Mitarbeiter ist.

Problem 11: Vernachlässigung von nicht-finanziellen Anreizen

Schließlich können Marktgehaltsumfragen dazu führen, dass Unternehmen zu sehr auf finanzielle Anreize fokussieren und nicht-finanzielle Anreize vernachlässigen. Nicht-finanzielle Anreize wie flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten oder eine positive Unternehmenskultur können jedoch ebenso wichtig sein, um Mitarbeiter zu motivieren und an das Unternehmen zu binden. Wenn Unternehmen sich jedoch zu sehr auf die Ergebnisse von Marktgehaltsumfragen konzentrieren, kann dies dazu führen, dass sie die Bedeutung dieser nicht-finanziellen Anreize unterschätzen und eine ungleiche Vergütungspolitik schaffen, die nicht im Einklang mit den Bedürfnissen und Werten ihrer Mitarbeiter steht.

Gehaltsumfragen kritisch hinterfragen: für eine gerechte Vergütungspolitik

Marktgehaltsumfragen können theoretisch ein nützliches Instrument für Unternehmen sein, um einen Überblick über die aktuellen Gehaltsstrukturen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Praktisch haben sie jedoch ihre Schattenseiten, wie mangelnde Transparenz, Verlässlichkeit und Aktualität der Daten, hohe Kosten und Zeitaufwand, fehlende Berücksichtigung individueller Faktoren, Gefahr der Gehaltsinflation, mangelnde Flexibilität und Datenschutzbedenken.

Unternehmen sollten diese Nachteile sorgfältig abwägen, bevor sie sich auf die Ergebnisse von Marktgehaltsumfragen verlassen. Es kann daher sinnvoller sein, alternative Methoden zur Gehaltsfestsetzung in Betracht zu ziehen, wie beispielsweise Leistungsbeurteilungen oder interne Gehaltsvergleiche.

FAQ zu den kritischen Herausforderungen bei Gehaltsbenchmarks

Marktgehaltsumfragen leiden unter mangelnder Transparenz und Verlässlichkeit. Teilnehmer sind oft nicht repräsentativ für den gesamten Markt, was zu verzerrten Ergebnissen führt. Viele Unternehmen sind nicht bereit, ihre Gehaltsdaten offenzulegen, was die Qualität und Aussagekraft der Umfragen weiter einschränkt.
Marktgehaltsumfragen werden meist nur einmal jährlich durchgeführt, wodurch Daten schnell veralten. In Branchen mit schnellen Gehaltsänderungen führt dies zu ungenauen Einschätzungen aktueller Gehaltsstrukturen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer treffen dadurch falsche Entscheidungen basierend auf veralteten Informationen.
Die Durchführung von Marktgehaltsumfragen ist mit erheblichen Kosten und hohem Zeitaufwand verbunden. Kosten für Datenerhebung, -analyse und -interpretation steigen schnell. Auch standardisierte Marktgehaltsdaten erfordern qualifizierte Vergütungsspezialisten zur Qualitätsbeurteilung, die mittelständische Unternehmen zusätzlich einkaufen müssen.
Marktgehaltsumfragen berücksichtigen meist nur allgemeine Faktoren wie Branche, Unternehmensgröße und Jobposition. Individuelle Faktoren werden oft unzureichend erfasst:

• Berufserfahrung
• Spezielle Qualifikationen
• Individuelle Leistung
• Persönliche Kompetenzen

Dies führt zu ungenauen Marktbewertungen.
Wenn Unternehmen Gehaltsstrukturen ausschließlich an Marktgehaltsumfragen ausrichten, entsteht ein ständiger Wettlauf um höchste Gehälter. Dies führt zu unnötigen Kosten für Unternehmen und verzerrt die allgemeine Gehaltsstruktur am Arbeitsmarkt. Eine Gehaltsspirale nach oben ist die Folge.
Marktgehaltsumfragen sind sehr starr und bieten wenig Flexibilität. Sie berücksichtigen nicht die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten eines Unternehmens. Unternehmen werden gezwungen, Gehaltsstrukturen zu implementieren, die nicht optimal zu ihrer Strategie, Kultur oder finanziellen Situation passen.
Die Erhebung und Verarbeitung sensibler Gehaltsdaten birgt Datenschutzrisiken, besonders wenn Daten nicht ordnungsgemäß anonymisiert werden. Dies kann zu rechtlichen Problemen führen und das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen beeinträchtigen. Datenschutzkonformität ist oft schwer gewährleistbar.
Ausschließliche Orientierung an Marktgehaltsumfragen kann bestimmte Mitarbeitergruppen über- oder unterbewerten. Mitarbeiter in gefragten Positionen erhalten höhere Gehälter unabhängig von Leistung oder Qualifikation. Dies führt zu Unzufriedenheit, Demotivation und beeinträchtigt Produktivität sowie Betriebsklima.
Gehaltsumfragen konzentrieren sich auf externe Faktoren und vernachlässigen interne Aspekte. Wichtige interne Faktoren werden übersehen:

• Mitarbeiterleistung und Engagement
• Beiträge zum Unternehmenserfolg
• Spezifische Fähigkeiten und Qualifikationen

Diese Vernachlässigung führt zu ungerechter Gehaltsverteilung und beeinträchtigt das Fairnessempfinden.
Jährliche Anpassung an aktuelle Marktbedingungen führt zu kurzfristigem Ansatz bei Gehaltsfestsetzung. Unternehmen verlieren langfristige Auswirkungen aus den Augen und zahlen möglicherweise nicht nachhaltige hohe Gehälter. Dies kann zu ungerechter Vergütungspolitik führen, die weder im Unternehmens- noch Mitarbeiterinteresse liegt.
Überfokussierung auf Gehaltsumfragen führt zur Vernachlässigung nicht-finanzieller Anreize. Wichtige Motivationsfaktoren werden unterschätzt:

• Flexible Arbeitszeiten
• Weiterbildungsmöglichkeiten
• Positive Unternehmenskultur
• Work-Life-Balance-Angebote

Diese Einseitigkeit schafft ungleiche Vergütungspolitik, die nicht den Mitarbeiterbedürfnissen entspricht.
Unternehmen sollten alternative Methoden zur Gehaltsfestsetzung in Betracht ziehen:

• Leistungsbeurteilungen
• Interne Gehaltsvergleiche
• Systematische Stellenbewertungen
• Kompetenzbasierte Vergütung

Diese Ansätze berücksichtigen individuelle und unternehmensspezifische Faktoren besser als standardisierte Marktumfragen.

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Geschrieben von Dr. Viktor Beyfuß

Viktor Beyfuß unterstützt Unternehmen, schnell kostenoptimiert, klare interne Wertigkeitsstrukturen und eine faire Mitarbeitervergütung zu gestalten.

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